Für interessante Lesestunden sind gute Materialien sehr wichtig. Neben Büchern, Apps, dem Kieler Leseaufbau und Gundulas Spielekoffer haben wir auch eine wachsende Anzahl spannender Leselernspiele, die für Abwechslung sorgen und gleichzeitig unterschiedliche Fähigkeiten fördern. Konzentration, Selbstbewusstsein und vieles andere mehr.
Wir hatten viel Spaß beim Spielen.

Eine Journalistin war zu Gast und hat am 4. Juli 2026 einen Bericht im Schwäbischen Tagblatt über unser Treffen veröffentlicht:

Infonachmittag: Leselernspiele kennenlernen

Für interessante Lesestunden sind gute Materialien sehr wichtig. Neben Büchern, den Apps, dem Kieler Leseaufbau und Gundulas Spielekoffer, haben wir auch eine wachsende Anzahl von Leselernspielen, die spannend sind, für Abwechslung sorgen und gleichzeitig unterschiedliche Fähigkeiten fördern: Konzentration, Gewinner-Mentalität, Selbstbewusstsein u.a. Wir hatten viel Spaß beim Spielen. Eine Journalistin war zu Gast und hat am 4.7.2026 einen Bericht im Schwäbischen Tagblatt über unser Treffen veröffentlicht.

„Wir sind keine Nachhilfelehrer“
Lesementoren unterstützen Kinder an Rottenburger Schulen – und lernen selbst immer weiter dazu. Neulich übten sie Konzentrationsspiele, die sie alsbald einsetzen wollen.
Von
Jana Breuling
04.07.2026, 11:00 Uhr Rottenburg
Die Rottenburger Lesementorinnen und vier Lesementoren haben sichtlich Spaß bei den Konzentrationsspielen, die sie schon bald einsetzen wollen.
Jana Breuling

Montagnachmittag in der Stadtbibliothek: Die Tische im Café Stadtgespräch sind mit Kleingruppen besetzt, auf jedem Tisch liegen unterschiedliche Konzentrationsspiele. Die Lesepaten sind alle über 60 und arbeiten ehrenamtlich. Die Konzentrationsspiele wollen sie in den Lesestunden mit den Lesepaten-Kindern einsetzen – nun aber erstmal selbst ausprobieren.

„Wir sind inzwischen an 18 Schulen in den Stadtteilen und der Kernstadt mit 70 Lesepatinnen und Lesepaten aktiv“, sagt Ursula Wiehl-Schlenker, zweite Vorständin von Lesementor Rottenburg. Mit dabei sind einige Lehrerinnen, Ingenieure und Betriebswirtschaftlerinnen. Wiehl-Schlenker übte das Ehrenamt zunächst neben ihrem Beruf aus, später dann im Ruhestand. Die Idee der Lesementoren „wurde 2008 geboren durch einen Bibliothekar“, sagt Ulrich Urban, 1. Vorstand von Lesementor Rottenburg. Damals entstand der Mentorbundesverband, eine Organisation mit aktuell 120 Mitgliedsvereinen. „Rottenburg kam als 88. Verein im Jahr 2020 dazu“, so Urban. Das Prinzip lautet: Bildung durch Vertrauen. „Man muss durch Dinge, die den Kindern gefallen, ein Vertrauensverhältnis aufbauen“, erklärt er. „Dass wir auf Augenhöhe mit den Schulkindern agieren und keinen Leistungsanspruch an sie haben.“
Erstmal Vertrauen aufbauen

Ab 2018 begann Urban mit der Tätigkeit, ehe er den Verein in Rottenburg gründete. „Die Kinder denken zunächst: Wer kommt denn da? Wer zeigt mir hier wieder, dass ich etwas nicht kann?“, erklärt Urban. „Die Kinder müssen sich wirklich gesehen fühlen. Das ist gesunder Menschenverstand und Empathie. Dann wollen die Kinder irgendwann etwas Gutes tun und zeigen, dass sie etwas können.“ Diese Vorgehensweise ohne Leistungsdruck führt dazu, dass die Kinder bald selbst merken, wie sie immer besser und auch selbstbewusster werden.

Diesen sensiblen Umgang lernen die Lesepaten von den Vorständen zu Schuljahresbeginn. „In einer Schulung wird dieses Prinzip ganz klar betont, dass es darum geht, Vertrauen zu schaffen“, so Urban. „Wir sind keine Nachhilfelehrer.“

Ursula Wiehl-Schlenker ergänzt: „Da werden die Lehrer manchmal etwas aggressiv – doch man muss sich von dem Lehrplandenken lösen.“ Sie erinnert sich an eine sehr erfahrene Lehrerin, die der Lesementorentätigkeit nachging und feststellte, dass sie etwas Neues gelernt hatte. „Inzwischen findet sie es gut, auch mal ein Spiel zu spielen“, so Wiehl-Schlenker.
Kindern dabei helfen, selbst Antworten zu finden

Zu Beginn jeder Stunde teilen die Kinder mit, wie es ihnen geht, dabei hilft der Einsatz von Smileys. „Einmal erzählte ein Mädchen, dass sie mit ihrer Freundin gestritten hatte. Sie war total blockiert“, erinnert sich Wiehl-Schlenker. „Eine halbe Stunde diskutierten wir, wie sie das Problem mit der Freundin in den Griff kriegt – die letzte viertel Stunde konnte ich dann mit dem Mädchen ganz konzentriert lesen.“ Auch Urban kam bereits mit Schicksalen der Kinder in Berührung: „Kinder erzählen manchmal Dinge aus ihrem Umfeld, die einen nachdenklich machen“, sagt er. Doch alle Lesementoren unterschreiben eine Verschwiegenheitserklärung, außerdem haben sie ein gutes polizeiliches Führungszeugnis. Familiäre Spannungen und Themen, die das Lernen blockieren, werden durch Zuhören aufgehoben. „Wir sind keine Profis“, betont Urban. „Wir helfen ihnen, dass sie sich selbst die Antwort geben können. Doch Ratschläge geben wir nicht.“

Viele Kinder freuen sich auch, dass der Lesepate oder die Lesepatin extra für sie an die Schule kommt. Die Lesepatenstunde sind dann meist in einer Schulstunde – mal sind es auch Mittagsstunden oder Hohlstunden oder auch in der Früh, bevor der Unterricht beginnt. „Es ist immer eine Abwägung von Kindern, Eltern und den Lehrern“, erklärt Urban. Fächer wie Erdkunde, Religion oder das Offene Lesen in Deutsch können gelegentlich durch Lesepatenstunden ersetzt werden. „Die Lehrer entscheiden, welches Fach für die Lesepatenstunde gewählt wird“, so Urban. „Die Kinder müssen jedoch in allen Fächern ihre Leistungen erbringen.“

„Ganz wichtig ist“, sagt Urban, „es bringt auch uns etwas. Ich habe Spaß.“ Besonders gefällt dem Lesementor, wenn er wieder einmal von einem Schüler im Konzentrationsspiel abgezockt und dabei von seinem Können überrascht wird. „Wenn ich aus der Stunde herausgehe, fühle ich mich gut.“